Lecture Series 2011



Das Andere Kommunizieren: Medien und Kulturkontakt in der außereuropäischen Geschichte

Nicht erst seit dem Beginn des „medialen Zeitalters“ sind menschliche Kommunikationsprozesse durch die Verwendung und Verknüpfung unterschiedlicher Medien und Repräsentationssysteme gekennzeichnet. Leider werden diese in ihrer Komplexität und ihrer historischen Dimension oft nicht wahrgenommen, was unter anderem eine Folge unseres eigenen Blicks auf die Vergangenheit ist, der meist auf europäische Schriftsysteme und den uns vertrauten Umgang mit bzw. Gebrauch von Schrift fixiert ist.
Um historische Kommunikationsformen und –systeme besser verstehen zu können, ist dem zufolge ein Perspektivwechsel nötig. Für die Geschichtswissenschaft bedeutet dies einerseits, Schrift als Medium auch jenseits europäischer Gebrauchs- und Bedeutungszusammenhänge genauer in den Blick zu nehmen. Auf der anderen Seite ist es aber auch erforderlich, sich verstärkt mit medialen Phänomenen zu beschäftigen, die meist nicht Gegenstand der „traditionellen“ Geschichtsschreibung sind. Hierzu gehören visuelle Medien und Objekte des täglichen oder rituellen Gebrauchs ebenso wie mündliche Überlieferungen und performative Äußerungen, bei denen die Handlungen die Aussage bestimmen.
In der Vorlesungsreihe wird anhand von Beispielen aus verschiedenen Kontexten der außereuropäischen Welt über die Möglichkeiten und Probleme reflektiert, die die Einbeziehung solcher Medien in historische Fragestellungen mit sich bringt. Dabei soll es zum einen darum gehen, ein Bewusstsein für die Vielfältigkeit und Komplexität menschlicher Kommunikation zu schaffen. Auf der anderen Seite sollen Dynamiken sichtbar gemacht werden, die als Folge von Kulturkontakt (z.B. durch Handel, Expansion, Kolonisierung oder Missionierung) zu Veränderungen in der Konfiguration der beteiligten Kommunikationssysteme und ihrer Medien führten.

Programm

Mittwochs, 18:00-20:00 c.t. Hörsaal ESA-B, Hauptgebäude, Edmund-Siemers-Allee 1

6.4. Ulrich Mücke, Astrid Windus
Einführung

20.4. Astrid Windus (Universität Hamburg, Außereuropäische Geschichte)
Zur Materialität und Intermedialität kulturhistorischer Verflechtung in außereuropäischen Kontaktzonen

27.4. Ulrich Mücke (Universität Hamburg, Geschichte Lateinamerikas)
Che Guevara – Ein Bild.

4.5. Monica Rüthers (Universität Hamburg, Osteuropäische Geschichte)
Sozialistisch wohnen. Sowjetische Häuslichkeitsfotos als Forschungsobjekt.

11.5. PD Hildegard Frübis (Universität Hamburg, Kunstgeschichte)
Zur Malerei des Orientalismus. Das Phänomen des Orients zwischen Bilderfindung und Ethnografie.

18.5. Claudine Hartau (Universität Hamburg, Mesoamerikanistik)
"Hört, wie man auf der Erde lebt": Ermahnungsreden in der aztekischen Gesellschaft.

Mo, 30.5. Reinhard Wendt (Fernuniversität Hagen, Außereuropäische Geschichte)
Communication and Performance: The „Fiesta“ as a Medium for the Construction of Colonial Authority and Indigenous Identity in Early Modern Philippines.

8.6. Jörg Quenzer (Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut, Japanologie)
Kodierte Gefühle: Das höfische Kurzgedicht (waka) als Medium emotionaler Kommunikation im japanischen Altertum (9.-12. Jh.).

22.6. Horst Pietschmann (Universität Hamburg, Geschichte Lateinamerikas)
Formen und Phasen kommunikativer Interaktion zweier Schriftkulturen, México 1519 - ca. 1580.

29.6. Claudia Schnurmann (Universität Hamburg, Nordamerikanische Geschichte)
Funktionen von Wampum im euroamerikanisch-indianischen Kulturkontakt im 17. Jh.

6.7. Yavuz Köse (Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut, Türkei-Europa-Zentrum)
Werben 'alla turca': Westliche Werbung in osmanischen Medien.

13.7. Christoph Marx (Universität Duisburg-Essen, Außereuropäische Geschichte)
„The hole Truth“. Affirmation und Subversion in der Berichterstattung über die Wahrheitskommission Südafrikas.


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