Lecture Series



Workshop (2013)



Im März 2013 veranstaltete das Team der Emmy-Noether-Forschungsgruppe einen Workshop, der die bis dahin erzielten Forschungsergebnisse einer internen Evaluation unterziehen sollte. Insbesondere war es unser Ziel, das Profil des Gesamtprojekts zu schärfen und die vier Teilprojekte im Hinblick auf übergreifende konzeptuelle, inhaltliche und methodische Aspekte in systematischer Weise zusammen zu führen. Dies geschah mittels des Austauschs mit folgenden Expertinnen und Experten, die auf Grundlage ihrer jeweils spezifischen fachlichen Expertise ausgewählte Aspekte der Teilprojekte wie auch des Gesamtprojekts kommentierten:

·         Prof. Dr. Christoph Marx (Außereuropäische Geschichte, Universität Duisburg-Essen)

·         Prof. Dr. Silke Hensel (Außereuropäische Geschichte, Universität Münster)

·         Prof. Dr. Rudolph Schlögl (Neuere Geschichte/Geschichte der Frühen Neuzeit, Universität Konstanz)

·         Jun.-Prof. Dr. Melanie Ulz (Kunstgeschichte, Universität Osnabrück)

Diese Kommentare und die daraus hervorgehenden Diskussionen gaben dem weiteren Verlauf des Gesamtprojekts und der Teilprojekte neue und äußerst wichtige Impulse.

Die hier zugänglich gemachten, in diesem Zusammenhang entstandenen Texte enthalten Zwischenergebnisse aus dem Projekt (Stand 2013) sowie darauf bezogene Kommentare. Sie thematisieren einige der während des Workshops diskutierten Aspekte, die in einem engen Zusammenhang mit übergreifenden methodischen und theoretischen Fragen historisch-kulturwissenschaftlicher Forschung stehen. Auf diese Weise wird nicht nur ein allgemeiner Einblick in das laufende Projekt gegeben. Es werden auch die die Projektarbeit prägenden Dynamiken der Diskussion um zentrale Themen und Kategorien einer interdisziplinär orientierten, transkulturellen Verflechtungsgeschichte abgebildet, die verschiedene außereuropäische Regionen einbindet. Angesichts des „Booms“ der Global- und Verflechtungsgeschichte in den historischen Wissenschaften und des inzwischen fast zum „Mainstream“ gewordenen Anspruchs auf Interdisziplinarität vieler Einzel- und Verbundforschungsprojekte, erscheint uns die neuerliche kritische und öffentliche Reflexion einiger der mit diesen Ansätzen verbundenen Kategorien und methodischen Probleme sinnvoll. Meist ist hierfür auf den thematisch fokussierten Tagungen und Workshops wenig Raum, teilweise stellt sich aber auch die Frage, inwieweit eine solche Auseinandersetzung überhaupt, d.h. auch nicht-öffentlich stattfindet.

Mit den hier versammelten Texten möchten wir die Arbeit des Projektes und seiner Teilprojekte im Sinne des Wissenstransfers und einer Darstellung nach außen sichtbar machen. Dabei geht es zum einen um die Auseinandersetzung mit zentralen Fragen, Kategorien und Ansätzen „transkultureller“ Geschichts- und Kulturwissenschaften wie: Wissen, Repräsentation, Performativität, Transkulturation, Kommunikation, Macht/Herrschaft etc. Zum anderen steht auch die Diskussion der aus dem Anspruch auf Interdisziplinarität erwachsenden Fragen und methodischen Probleme hinsichtlich der Erschließung von und des Umgangs mit Untersuchungsmaterialien zur Debatte, wie der Umgang mit nicht-schriftlichen und/oder indigenen Quellen/Artefakten, die Einbeziehung anthropologischer Daten und deren historische Perspektivierung, oder die Einbeziehung „nicht menschlicher Akteure“ (Umwelt, Raum, Artefakte). Und auch die Perspektiven für eine Rückbindung von Erkenntnissen aus der außereuropäischen Geschichte an europäische Forschungszusammenhänge im Bereich der historischen Kulturwissenschaften sind Gegenstand der hier geäußerten Überlegungen.

Das Vorhaben wird in zwei Schritten umgesetzt. Der erste Teil stellt, aufbauend auf eine allgemeine Einführung in das Gesamtprojekt, die vier Teilprojekte und ihre zentralen Fragen vor, die jeweils verschiedene der oben genannten Aspekte thematisieren. Im Anschluss daran folgen die Kommentare der „Expertinnen“ und „Experten“, die unterschiedliche thematische Schwerpunkte setzen und aus verschiedenen disziplinären Perspektiven verfasst sind. Die ersten drei Kommentatoren kommen aus dem Gebiet der europäischen und außereuropäischen Geschichte.  Rudolph Schlögl befasst sich mit den Begrifflichkeiten „Kommunikation“, „Dispositiv“ und „Beobachtung“ und der Wahl und Anwendung wirklichkeitskonstituierender Grammatiken für die Beschreibung von Prozessen der Sinnzuschreibung. Silke Hensels Beitrag thematisiert das Verhältnis von  Herrschaft, (transkultureller) Religiosität und „Performativität“. Die schwierige Beziehung zwischen Anthropologie/Kulturanthropologie und Geschichte und das „Problem“ der historischen Perspektivierung anthropologischen Wissens stehen im Mittelpunkt des Kommentars von Christoph Marx. Im Anschluss daran befasst sich die Kunsthistorikerin Melanie Ulz mit der Bedeutung von Materialität und Objekthaftigkeit für die Untersuchung von Kommunikationsprozessen und Konfigurationen von Macht/Herrschaft und mit Fragen medienspezifischer Repräsentation, Inszenierung und Wahrnehmung.