Teilprojekt 2:

Kulturkontakt am Altar. Silberarbeiten als Medien des Bedeutungstransfers im bolivianischen Altiplano des 17. und 18. Jahrhunderts

Das Projekt untersucht die transkulturelle Funktion von Kirchensilber in der Christianisierung der indigenen Bevölkerung. Silberobjekte unterscheiden sich von anderen, oft sehr viel besser untersuchten didaktischen oder dekorativen Artefakten wie religiöse Malereien oder Skulpturen, durch ihre kommunikative Funktion. Während bildliche Repräsentationen sich vorwiegend mittels ihrer Ikonographie artikulieren, wird die in Silberobjekten enthaltene Information vor allem durch Zuschreibungen an das Material selbst vermittelt. Diese sind nicht direkt sichtbar, sondern erfolgen vor dem Hintergrund indigener und europäischer Wissens- und Wahrnehmungssysteme und deren sinnlicher Codierung. In ihm flossen indigene und europäische Vorstellungen von Sakralität und „Wertigkeit“ zusammen, die sich in der materiellen Beschaffenheit des Metalls (Glanz, Farbe, Verarbeitung) artikulierten. Die Wahrnehmung der durch Silber kommunizierten Informationen erfolgte damit weniger über die kognitiven, sondern vielmehr über die sinnlichen und affektiven Kanäle menschlicher Wahrnehmung – ein Aspekt, der (trotz der überbordenden Masse an Silberobjekten und der allgegenwärtigen Präsenz dieses Materials in den amerikanischen Kirchen) in der historischen Forschung zu Transkulturation und Christianisierung im kolonialen Lateinamerika bislang weitgehend unbeachtet geblieben ist.

Das Projekt wurde erfolgreich abgeschlossen.